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Stand 07.02.2026 – Autor: Alexander Kohl

Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Ja – für die meisten Menschen ist sie eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt. Denn Deine Arbeitskraft finanziert fast alles: Miete, Lebensstandard, Familie, Altersvorsorge.

Wenn Du von Deinem Einkommen lebst (und nicht von Kapitalerträgen), ist die BU in der Regel sinnvoll. Sie schützt Dich vor dem größten finanziellen Risiko im Erwerbsleben: dass Du Deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben kannst.

Inhaltsverzeichnis

Kurzfazit: Ist eine BU sinnvoll?

In den meisten Fällen: ja. Eine BU ist besonders sinnvoll, wenn …
  • Du auf Dein Arbeitseinkommen angewiesen bist (fast immer der Fall).
  • Du keine großen Rücklagen hast, die viele Jahre reichen würden.
  • Du Verantwortung trägst: Familie, Kredit, Miete, Selbstständigkeit.
  • Dein Beruf eine klare Tätigkeit hat, die bei Krankheit realistisch wegfallen kann (das betrifft Büro, Handwerk, Medizin, Pädagogik, IT – praktisch alles).

Weniger sinnvoll ist eine BU nur dann, wenn Du Deinen Lebensunterhalt dauerhaft auch ohne Erwerbsarbeit sichern kannst (z. B. sehr hohe Kapitalerträge) – oder wenn eine BU aus gesundheitlichen Gründen nur zu sehr schlechten Konditionen möglich ist und eine Alternative besser passt.

Warum eine Berufsunfähigkeits­versicherung?

Bevor wir uns der Frage stellen, ob eine BU (Berufsunfähigkeitsversicherung) sinnvoll ist, lass uns zunächst klären, was eine BU-Versicherung leistet, was eine BU absichert.

Wann leistet eine BU?

Schauen wir zunächst ins Gesetz: Nach § 172 VVG liegt Berufsunfähigkeit vor, wenn der Arbeitnehmer den zuletzt ausgeübten Beruf teilweise oder vollständig nicht mehr ausüben kann. Wie ist diese gesetzliche Regelung in den Versicherungsbedingungen umgesetzt? Bei einer BU leistet der Versicherer grundsätzlich, wenn Du Deinem Beruf über 6 Monate zu 50 % nicht mehr ausüben kannst, Du also Deine Arbeitskraft und damit Dein Berufseinkommen verlierst. (Unser Tipp: Achte in den Bedingungen darauf, dass unbedingt der sogenannte Prognosezeitraum von sechs Monaten und die 50-%-Grenze festgeschrieben sind! In den meisten Bedingen ist dies auch so geregelt, aber es gibt Ausnahmen.) Die Berufsunfähigkeitsversicherung sichert Dir also die finanziellen Einbußen durch den Verlust der Arbeitskraft ab. Die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, ist hoch (siehe unten). Deshalb ist es sehr sinnvoll, die eigene Arbeitskraft durch eine BU abzusichern. Auf den Punkt gebracht: Nur wenn Du den Verlust Deiner Arbeitsfähigkeit durch andere Einkommensquellen wettmachen kannst oder Deine Arbeitskraft zur Finanzierung Deines Lebensunterhaltes nicht notwendig ist, benötigst Du keine BU.
Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine wichtige zentrale Absicherung

Nettoeinkommen bei längerer Krankheit, Beispiel aus dem Video

Bei einer längeren Erkrankung zahlt der Arbeitgeber in den ersten Wochen die Lohnfortzahlung. Ab der siebten Woche übernimmt die Krankenkasse mit dem Krankentagegeld. Hier fehlen in der Regel 20 % des verfügbaren Einkommens. Bei höherem Einkommen wesentlich mehr. Falls die Erkrankung nicht mehr nur vorübergehend ist, kann die Erwerbsminderungsrente beantragt werden. Voraussetzungen dafür ist unter anderem, dass die Wartezeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllt sind. In dem unten genannten Beispiel beträgt die Erwerbsminderungsrente 1.070,00 €. Berechnet nach dem Näherungsverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung. In diesem Beispiel wurde die volle Erwerbsminderungsrente berechnet. Dies bedeutet, dass unsere Arbeitnehmerin weniger als drei Stunden täglich in irgendeinem Beruf arbeiten kann. Von der Höhe der Leistung ist damit die „beste Situation berechnet. Steuern und Sozialversicherung habe ich dabei schon abgezogen. Bitte beachte, dass die Situation bei Dir individuell stark abweichen kann.
Ist eine BU sinnvoll? Grafik zum Einkommen bei längerer Krankheit

Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden

Wie wahrscheinlich ist es, berufsunfähig zu werden? Eine Statistik mit Altersgruppen

Quelle: statista.com

Die Wahrscheinlichkeit berufsunfähig zu werden ist sehr hoch. In der obigen Statistik siehst Du, dass das Risiko für einen 20-Jährigen bis zur Rente berufsunfähig zu werden bei 43 % liegt. Für eine 50-Jährige liegt es „nur“ noch bei 29 %. Die Ursachen für eine Berufsunfähigkeit sind vielfältig. In unserem modernen Arbeitsleben ist es häufig die Psyche. Durch viel Büroarbeit ist häufig der Bewegungsapparat betroffen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sind weitere Ursachen.

Was ist Dein wertvollster Besitz?

Diese Frage bezieht sich natürlich nur auf die finanzielle Sicht. Gesundheit, Liebe, ein erfülltes Leben, sind sicherlich die wertvollsten Güter. Aber aus finanzieller Sicht wird es bei den meisten von uns die Arbeitskraft sein. Rechne doch mal selbst nach. Ein Haus ist zwischen 500.000 € und einer Million € wert, ein Fahrzeug vielleicht zwischen 30.000 € und 70.000 €. Beides wird von den meisten selbstverständlich gegen Totalverlust versichert.
Aber wie sieht es aus mit der Arbeitskraft? Schon bei einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 50.000 € sind das nach in 20 Jahren eine Million €. In 30 Jahren über 1,5 Millionen €. Gehaltssteigerung noch gar nicht mitgerechnet. Diesen Wert kannst Du durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung (zumindest teilweise) absichern.

Für wen ist eine Berufsunfähigkeits­versicherung sinnvoll, für wen nicht?

Grundsätzlich ist also eine Berufsunfähigkeits­versicherung für jeden sinnvoll, der sein Geld durch seine Arbeitskraft verdient. Jedoch auch für Menschen, die künftig Ihren Lebensunterhalt durch Ihre Arbeitskraft bestreiten wollen, also für Schüler, Auszubildende und Studenten. Beamte bilden hier eine Ausnahme. Keine Berufsunfähigkeitsversicherung braucht, dessen Haupteinnahmequelle nicht die eigene Arbeitskraft ist, sondern den Lebensunterhalt mit Einkommen aus Vermietung oder Erträgen aus Kapitalanlagen bestreitet. Natürlich benötigen auch Rentner keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr. Aber für alle anderen gilt: Beschäftige Dich so früh wie möglich mit der Absicherung Deiner Arbeitskraft durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Was leistet die Krankenversicherung, wenn man nicht mehr arbeiten kann?

Die Krankenversicherung leistet bei Arbeitsunfähigkeit. Arbeitsunfähigkeit bedeutet, dass man aktuell nicht in der Lage ist, seiner Arbeit nachzugehen oder die Ausübung der Tätigkeit ein Gesundheitsrisiko darstellt (Quelle: Techniker Krankenkasse). Wird die Arbeitsunfähigkeit dauerhaft, liegt Berufsunfähigkeit vor.

Bei Arbeitsunfähigkeit zahlt Dein Arbeitgeber die ersten sechs Wochen eine Entgeltfortzahlung. Danach übernimmt die Krankenkasse. Hier sind jedoch die Leistungen das Krankentagegeldes durch die Gesetzlichen Krankenkassen beschränkt. Sie beträgt 70 % des Arbeitseinkommens, jedoch höchstens 90 % des Nettoeinkommens (Quelle: § 47 (1) SGB V). Zusätzlich sind die Leistungen der Krankenversicherung nach oben gedeckelt. Wichtig ist es, hier eine ergänzende Absicherung, wie Krankentagegeld, zu haben. Aber auch diese private ergänzende Versicherung einer Krankentagegeldversicherung stellt die Leistung bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit ein.

Hilft die gesetzliche Rentenversicherung bei BU?

Ja, aber in den meisten Fällen nicht ausreichend. Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, sind nicht versichert. Die gesetzliche Rentenversicherung leistet im Falle des Verlust der Arbeitskraft die sogenannte Erwerbsminderungsrente. Dabei kommt es nicht darauf an, ob Du in Deinem Beruf noch arbeiten kannst. Grundlage für die Leistung der Erwerbsminderungsrente ist die Fähigkeit, eine Tätigkeit sechs oder drei Stunden täglich nachzugehen.

Falls Du irgendeine Tätigkeit weniger als drei Stunden täglich durchführen kannst, erhältst Du die volle Erwerbsminderungsrente. Kannst Du zwischen 3 und 6 Stunden irgendeine Tätigkeit durchführen, erhältst du die halbe Erwerbsminderungsrente. Falls Du noch über sechs Stunden irgendetwas arbeiten kannst, erhältst Du keine Leistung durch die gesetzliche Rentenversicherung. Hierbei gibt es natürlich einige Einschränkungen, wie die Verfügbarkeit am Arbeitsmarkt. Dies gilt jedoch für die überwiegend meisten Fälle.

Bis wann ist eine BU sinnvoll?

Natürlich stellt sich auch die Frage, wie lange man eine Berufsunfähigkeitsversicherung bracht. Bis zu welchem Alter sollte man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Grundsätzlich gilt, dass die BU so lange läuft, wie Du arbeitest. In einem weiteren Artikel habe ich etwas geschrieben: Lies hier weiter.

Mehr zum Thema gesetzliche Rentenversicherung und Berufsunfähigkeit findest Du hier.

Bildernachweis
Titelbild: trichard/stock.adobe.com